Archäobotanische Untersuchung von früh- und spähtneolithischen Proben aus Tell Kapitan Dimitrievo
Elena Marinova

Einleitung
Während der archäologischen Ausgrabungen des Tells Kapitan Dimitrievo 1998 und 1999 wurde mir dankenswerterweise die Möglichkeit gegeben Material zur archäobotanischen Untersuchung zu entnehmen. Es besteht vorwiegend aus verkohlten und unwesentliche Menge von mineralisierte Pflanzenresten. Die verschiedenen Pflanzen, angebaut und genutzt von den Bewohnern der Siedlung, wenn sie in Kontakt mit Feuer kommen ohne Sauerstoff – wurden verkohlt. So erhalten sie sich Jahrtausende in den Schichten der Siedlung. Diese Pflanzenreste können aus den Sediment gewonnen werden dank ihre physikalischen Eigeschaft leichter als seine anderen Bestandteile zu sein. Das Boden wird in Wasser aufgelöst und sie tauchen am der Wasseroberfläche auf und können gesiebt werden. Der geschilderte Prozeß ist die Grundlage der sogenannten „Flotation“. Durch dieses Verfahren wurden 146 archäobotanischen Proben gewonnen, in 138 war genügend Material für Untersuchung vorhanden. Die systematische archäobotaniche Untersuchungen mittels Gewinnen von vielen Proben aus verschiedenen archäologischen Kontexte sind noch selten in unserem Land. In Kapitan Dimitriewo das Bekommen dieser wertvollen Information wurde möglich dank dem Verständnis und der vielseitigen Hilfe der archäologischen Arbeitsgruppe unter der Leitung von Vassil Nikolov. Die Proben wurden von den 4 Probenfächen (II und IV 7,5 m², I und III 15 m²) entnommen, im Laufe der Ausgrabung wurden bei jede 10-20 cm Tiefe Proben aus den vorhandenen Strukturen genommen. Sie geben verschiedene und detaillierte Information über einen wesentlichen Teil des Alltags der Bewohner des Tells. Und nämlich über die Weisen von Anbau und Nutzung der ersten am Balkan eingeführten Kulturpflanzen, die Veränderung der Umwelt duech die Landwirtschaft und das Benutzen der vorhandenen wilden pflanzlichen Ressourcen.
 

Heutige Bedingungen
Heutzutage ist die Vegetation in der Umgebung des Tells Kapitan Dimitrievo stark antropogen verändert, fast die ganze Fläche ist landwirtschaftlich genutzt. Die potentielle natürliche Vegetation besteht aus Eichenmischwäldern. Überwiegt haben Gesellschaften von Quercus pubescens und Q. virgiliana. Sie ertragen sommerliche Trockenheit gut. Zur Zeit sind diese Gesellschaften stark degradiert und mit Carpinus orientalis bewachsen oder ersetzt von Gesellschaften von Paliurus spina-christi und xerotherme Grassvegetation. In der Umgebung waren auch Gesellschaften von Pinus nigra vorhanden, von denen nur wenige Überreste geblieben sind (Bondev,1990). Das im archäobotanischen Material gefundene Holz von Nadelbäume stammt anscheinend aus diesen Gesellschaften. Die Böden in dem Gebiet sind vorwiegend reich an Nährstoffe, fluviativer Herkunft. An den Hängen der Hügeln sind auch die nicht tiefe Renzina-Typ Böden vertreten. Bei bestimmten Art der Bearbeitung könnten sie auch fruchtbar sein. Aus agroklimatischen Sicht ist das Gebiet um dem Tell Kapitan Dimitrievo durch erhöhte Trockenheit gekennzeichnet und besitzt gewissen Steppencharakter, weil es sich in eine Regenschatten von Rhodopen- und Rilagebirge befindet. Diese Bedingungen sind für Getreideanbau günstig. Wegen den Eigenschaften des Reliefs in der Umgebung des Tells bildet sich etwas wie flache „Halbkelch“. Dort entsteht ein für Landwirtschaft günstiges Mikroklima mit erhöhte Feuchtigkeit und Erwärmen. Besonders gut für den Getreideanbau sind die Hänge mit süd-, südwestlicher Ausrichtung, die sich nördlich des Tells befinden.
 
 

Kulturpflanzen
Bei der vorigen Untersuchung des Tells von P. Detev (1947), wurden verkohlten Vorräte der angebauten Pflanzen gefunden. Für die Periode des frühen Neolithikums stellen die Autoren fest (Arnaudov 1949, Arnaudov, Petrova 1953), daß die gelagerte ohne gedroschen zu werden Getreiden eine Mischungen von Emmer und Einkorn im verschiedenen Verhältnis zu einander darstellen. Diese beide Spelzweizen sind die für die prähistorische Zeit typische Kulturpflanzen und waren die wichtigste Getreidenahrung der Bewohnern des Tells. Eine wichtige Eigenschaft der Spelzweizen ist, daß bei denen in unterschied zu den heute überwiegende Saatweizen die Spelzen fest mit dem Korn verbunden sind und das Trennen schwieriger erfolgt. Diese Eigenschaft sowie einige andere biologische Parameter wie hohe Resistenz gegenüber Krankheiten, geringen Ansprüchen, zusammen mit einer nicht sehr hohe Produktivität bestimmen eine besondere Weise diese Weizen anzubauen, zu ernten und zu säen.

Die vorliegende Untersuchung konzentriert sich auf  zu dem Neolithikum gehörenden Proben aus den Probefächen I, II und III.
Das Material aus Fläche I wurde von den Profilen genommen. Fast alle Proben gehören zum frühen Neolithikum – Karanovo I Kultur. Die Vorratsproben aus Haus 2, Quadrat1 verdienen besondere Aufmerksamkeit. Sie bestehen aus eine Mischung von verkohlte Emmer und Einkorn. Die Getreide wurde als ganze Ähren gelagert. In den überwiegende Menge des Materials erhielten sich kaum Spelzen oder Spreu. Aber die Getreidekörner waren so angeordnet wie sie in den Ähren sind. Das war bemerkbar während des Probennehmens, aber später sind alle auseinandergefallen. Wenn das nicht „in situ“ bemerkt wird könnte man zu den Schlußfolgerung kommen, dass die Spelzweizen wurden auch in gedroschenem Zustand gelagert (Arnaudov, 1951). Die meisten Autoren sind der Meinung auf Grund der Eigenschaften der Spelzweizen, die Funde bei der Ausgrabungen und heutige Beobachtungen, dort wo diese Weizen Angebaut werden, dass diese Getreiden wurden gesammelt und gelagert in Form von Ähren (Janushewitch, 1983).
Nur an einigen Stellen, vermutlich gebrannt bei anderen Temperatur, waren auch ganze Ähren erhalten. Deswegen wurde es möglich das Vorhandensein des zweikörniges Einkorn festzustellen. Im Prinzip entwickelt sich in den Ährchen des Einkorns nur ein Korn, aber bei einige seine Formen, sowohl im wilden als auch in kultivierten Zustand entwickeln sich 2 Körner im Ährchen. Diese Formen sind besonders charakteristisch für das Zentrum des Artenvielfalt des Einkorns in Anatolien. Dass sie auch am Balkan vorkommen zeigt anscheinend, dass die Bedingungen für diese Getreide waren sehr nah zu den natürlichen für sie.
Aus der Probenfläche II, Haus 2 , stammen auch einige sehr interessante Funde. Auf dem Boden neben dem Ofen wurde Spelzweizen gelagert. Genau so wie bei dem obengennten Haus auch als Ähren. Es überwiegt der Emmer. Neben und über dem verkohlten Material gab es Spure von Spelzen und Asche. Anscheinend war das Teil der selben Getreide, die ganz ausgebrannt ist. Auf den gefundenen neben ihr Lehmbauelemente gab es Geflechtreste. Wahrscheinlich hat eine Bastdecke von unten oder auch von Seite die Vorräte begrenzt.
Die Weise auf welche die Pflanzenreste über den Fußboden verteilt sind erlaubt die Vermutung, dass Teile der Vorräte irgendwo oben gelagert wurden – vielleicht auf der Decke unter dem Dach. Die verkohlte Samen und Körner sind dispergirt unter den Trümmern, an einigen Orten mehr konzentriert, als ob sie gestreut wurden von irgendwelchen Punkt über den Fußboden. Ähnliche Situation von so dispergierte in den Sediment Reste wurde von dem Autor in einen zweistöckigen neolithischen Haus in Karanovo beobachtet. Im nördlichen Bereich der Gebäude sind vorwiegend Emmerkörner dispergiert und in den südwestlichen Erbse und Gerste. Es ist schwer einzuschätzen, ob letztere zusammen vermischt gelagert wurden oder das passierte nach den Brand.
Ein sehr bemerkenswerte Fund ist die aus Speicher 4 desselben Hauser. Er besteht aus gereinigten, von der Spreu grob zermahlenen Körnern von Emmer und Gerste in Verhältnis 2:1. Wahrscheinlich wurde dort die zum Konsumieren vorbereitete Getreidenahrung. Die Spelzweizen sind reich an Eiweiß aber arm am Polisacharide Gluten. Er ist der verbindende Stoff bei der Brotgärung und ist in gossen Mengen bei den Saatweizen vorhanden. Die Spelzweizen und die Gerste sind mehr für die Breizubereitung geeignet. Vielleicht deswegen wurde die gefundene Mischung dazu vorbereitet.
In den Speicher 1 wurden Platterbsen (Lathyrus sativus) gefunden. Das Volumen  des Speichers betrug etwa 30 l. Viele der Samen sind in einen schlechten Erhaltungszustand (oft zerbrochen). Die Oberfläche und das „Hilum“ sind durch die Inkohlung zerstört. Deswegen ist eine genauere Bestimmung aufgrund von morphologische Kriterien nicht möglich. Die Saatplatterbse ist mit der Kicherplatterbse (L. cicera) naheverwandt. Immerhin zeigen die großen Mengen von Platterbsen in dem Speicher und die große Stetigkeit in den Proben aus dem frühen Neolithikum des Tells insgesamt, daß es sich um eine häufig und viel genutzte, wahrscheinlich angebaute Pflanze handelt. Die Vermutung über den Anbau könnte auch durch die Angaben aus anderen urgeschichtliche Siedlungen unterstützt werden. Funde mit Vorräte von Platterbse sind auch aus Slatina (Dontcheva, 1992), Tell Azmak (Hopf, 1973), Junacite (Arnaudov, 1941, Popova, Pavlova, 1990) bekannt.

Das größte Teil der Proben aus der Probenfläche III stammt aus spätneolithische Schichten (Karanovo III-IV Kultur). Sie sind reich an Pflanzenreste, obwohl ihre Konzentration sehr stark schwankt. Oft, was anscheinend typisch für solche Kontexte ist, überwiegt die Asche, Holzfragmente, Spelzgabeln und „Unkrautsamen“. Vermutlich sind die letzten beiden Abfall der Getreidebearbeitung. Zusammen mit andere Abfälle sind sie in die Grube geraten. Dank diesen Gruben gewinnt man indirekt Information über die angebauten Pflanzen, ihre Unkräuter, die Sammelpflanzen usw.. In den Proben überwiegen Spelzgabeln von Einkorn, gefolgt von Emmer. Seltener kommt Gerste und Nacktweizen vor. Die Leguminosen sind vorwiegend von V. ervilia und Lens culinaris vertreten. Die Platterbse ist hier in unterschied zu den frühneolithischen Schichten seltener vertreten.
 

Unkräuter und Wildpflanzen
Das Spektrum der Wild- und Unkrautpflanzen in den Proben aus Tell Kapitan Dimitrievo ist sehr vielfältig. Besondere Aufmerksamkeit verdienen diese Unkräuter, die zusammen mit den Getreidevorräte gefunden wurden, d.h. mit der Ernte gesammelt wurden. Solche sind Bromus sp., Polygonum convolvolus, Galium sp. Sie sind charakteristisch für die Wintergetreide. Andere in den Proben vorhandene potentielle Unkräuter sind: Ajuga chamaepitis, Anagalis arvensis, Polycnemum arvense, Thymelaea passerina, Vicia tetrasperma, Trifolium sp., Valerianella dentata. Bis auf die letztgenannte sind alle unter trockenen Bedingungen gedeihende Pflanzen, die vorwiegend bei der Wintersaat vorkommen.
Pflanzen aus feuchten und/oder ruderalen Standorten sind Hyosciamus niger, Plantago cf. lanceolata, Persicaria hydropiper.
Einige von den erwähnten Pflanzen könnten auch als Arzneipflanzen genutzt werden z.B. Verbena officinalis, Ajuga chamaepitis, Hyosciamus niger, Anagalis arvensis.  Die letzte zwei sind giftig.
 
 

Sammelpflanzen
Viele der Proben, besonders der von Abfallorten, von Gruben oder Bodenkonstruktionen enthalten auch einige mögliche Sammelpflanzen. Am häufigsten ist Cornus mas. Ausserdem sind in den Proben Rubus cf. idaeus, Sambucus cf. ebulus, Prunus sp., Coryllus avelana, Fragaria veska vertreten. Besondere Beachtung verdienen die gefundene Vitis-Kerne. Ihren morphologischen Merkmalen entsprechend – rundes Form, kurze Stilum – sind als Kerne der wilden Weinrebe zu bestimmen.
 

Schlußfolgerungen
Die Analyse der Angaben von 1998 und die vorläufige Einschätzung des Materials von 1999 erlauben die folgenden Schlüsse zu ziehen:
- Die Spelzweizen, typisch für die prähistorische Zeit, waren die wichtigsten Getreidearten der untersuchten Periode. Anscheinend waren die Bedingungen sehr günstig. Es überwiegt der Emmer. Bei trockenerem und kalterem Klima und auf ärmeren Böden wächst das Einkorn besser - z.B. Sapareva Banja (Cakalova, Sarbinska 1986), Ovtcharovo (Janushewitch 1983) oder es wird mehr Gerste angebaut - z.B. imnahliegenden Rakitovo (Cakalova, Bozhilova 1981).
- Die Spelzweizen wurden als ganze Ähren geerntet und gelagert. Darauf deuten die Funde von Getreidevorräte hin. Die darin gefundene Unkräuter sind solche, die in der gleichen Höhe mit den Ähren wachsen. Nach gegenwärtigen Beobachtungen aus Spanien und Georgien wird vermutet, dass die Spelzweizen auf bestimmte Weise abgebrochen und als ganze Ähren gesammelt wurden, (Zhukovskij, 1968)
- Die in den Proben gefundenen Unkräuter erlauben die Annahme, dass die Wintersaat überwiegt hat. Die agroklimatische Bedingungen (Tichkov, 1982) in dem Region unterstützen das. Das gemäßigt trockene bis steppenartige Klima, Regenmaximum in November und milde Winter sind günstig für Wintergetreideanbau.
- Wahrscheinlich wurden die Spelzweizen zusammen mit Gerste oder Leguminosen zur Breizubereitung grob zermahlen. Die Gerste hat nicht so eine hohen Nahrungswert wie die Weizen und wahrscheinlich hatte sie hier eine untergeordnete Rolle gespielt. Als Beimischung zu den Spelzweizen wuchs auch Nacktweizen in den Feldern. Vermutlich die mit dem Emmer naheverwandte Hartweizen vom Durum-Typ.
- Während des frühen Neolithikums hatte von den Leguminosen die Platterbse die grösste Bedeutung. Anscheinend wurde diese Pflanze viel kultiviert. Es wurden auch Erbsenvorräte gefunden. In den Proben kommen ebenfalls Linse und seltener Linsenwicke vor. Die letzte beide sind viel häufiger aus dem späten Neolithikum der Siedlung gefunden worden.
- Die Sammelpflanzen sind überwiegend durch Cornus mas vertreten. Die Ausbreitung dieses Unterholzstrauches wurde von den Auflichtungen der benachbarten Eichenwälder begünstigt. Aus diese Wälder stammen auch die Reste von Erdbeere. Es wurden auch Brombeeren und Holunder gesammelt, die neben menschlichen Besiedlungen besonders günstige Bedingungen fanden. Aus der Vegetation um den benachbarten Fluß (etwa 10-15 min zu Fuß ) wurden wilde Weintrauben gesammelt.

Zusammengefaßt habendie Bewohner der Siedlung, die die ersten Kulturpflanzen in diese Region mitgebracht hatten, eine gutfunktionierende Landwirtschaft entwickelt und einen vielseitigen Einfluß auf die Umwelt bzw. auf die ganze Landschaft ausgeübt.
 
 
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