Einleitung
Kovacevo hat eine besondere Stellung unter der neolithischen Siedlungen
Bulgariens. Es ist eine der frühesten neolithischen Siedlungen auf Territorium
des Landes (DEMOULE & LICHARDUS-ITTEN, 1994). Daher sind die Angaben
über ihre Landwirtschaft, eine der grundsätzlichen Innovationen, die die
Entstehung und Entwicklung der neolithischen Kulturen ermöglichten,von
grpßer Bedeutung.
Das untersuchte arhäobotanische Material stammt aus den frühesten Schichten
der Siedlung. Sie werden als Hinterlassenschaft einer unabhängigen ethno-kulturellen
Erscheinung (Kovacevo I) betrachtet. Sie hat Parallelen zu dem frühen Neolithicum
aus der Republik Mazedonien und besitzt direkte anatolische Komponenten
(PERNICHEVA 1995). Daran ergibt sich die Möglichkeit, die ersten Etappen
der Neolithisierung in der Region in Hinblick auf die Einführung der Landwirtschaft,
ihre Entwicklung und zum Teil die lokale Veränderungen der Vegetation zu
erfassen.
Materialien und Methoden
Während der Ausgrabungen von 1998 und 1999 wurde verkohltes und mineralisiertes
archäobotanisches Material durch Schlämmen gewonnen. Es stammt aus den
Sektoren A, E, I, K und N (Tab. 1). Es wurden etwa 38 Proben geschlämmt.
33 davon hatten genügend Material für Untersuchungen. Die entnommenen Bodenvolumina
betragen durchschnittlich 10-20 l.. Die Funddichte ist gering - um 30-40
bestimmbare Einheiten pro Probe. Das Form und Struktur der Pflanzenreste
sind gut erhalten, obwohl viele Körner, Samen u.a. Pflanzenreste gebrochen
sind.
Viele Faktoren haben dazu beigetragen, daß nur wenig und nicht besonders
gut erhaltenes Material in der Schichten zu finden ist. Erstens zeigen
die Reste der Häuser fast nie Brandspuren, sie wurden eher absichtlich
abgebaut und das Terrain wurde planiert (DEMOULE.& LICHARDUS-ITTEN
1998). Das bedeutet, daß auch der größte Teil des ehemals vorhandenen verkohlten
Pflanzenmaterials entfernt wurde. Außerdem befinden sich die ausgegrabene
Sektoren am Rand der Siedlung und waren der Erosion des benachbartes Flusses
ausgesetzt (DEMOULE & LICHARDUS-ITTEN, 1994). Das Klima- und Reliefbedingungen
im Gebiet begünstigen auch die Erosion.
Rezentes Klima und Vegetation
Für das Gebiet ist submediterranes Klima, mit heißen trockenen Sommer
(durchschnittliche Juli Temperatur 23-24 °C) und mildes, warmes Winter
(durchschnittliche Januar Temperatur 1-2°C) charakteristisch. Die Niederschläge
betragen etwa 600 mm pro Jahr, es gibt zwei Regenmaxima, eins im November
und ein kleineres im Juni und zwei Minima, eins im August-September und
ein kleineres im März.
Das Relief ist stark und gegliedert mit gut ausgeprägten, verschiedenorientierten,
kurzen Hängen. Diese Voraussetzungen, die sommerliche Trockenheit, an vielen
Stellen nicht tiefe und skelettereiche Boden, zusammen mit der menschlichen
Tätigkeit begünstigen die Erosion.
Entsprechend dem Klima zeigt die potentielle natürliche Vegetation
eindeutige Beziehungen mit mezedono- thrakischen Gebiet und der Inland
der Adriatik. Die Umgebung der Siedlung ist landwirtschaftlich genutzt.
Meistens ist Bewässerung nötig. Auf den benachbarten Hügel gibt es stark
degradierte Eichenwälder, die wegen der intensiven Nutzung strauchartig
geworden sind. Zusammen mit den Eichen, manchmal auch überwiegend, wachsen
Wacholder (Juniperus oxicedrus), orientalische Hainbuchen (Carpinus orientalis)
und an manchen Stellen Christdorn (Paliure epine-du Christ) (Paliurus
spina-christi) und einige andere mediterrane Elemente.
Ergebnisse
Die Kulturpflanzen.
Die in Kovacevo gefundene Kulturpflanzen (Tab.2), gehören zum neolithischen
Kulturpflanzenkomplex aus Anatolien. Darunter versteht man die um das 8.
Jahrtausend BC im Nahen Osten domestizierten Getreide und Leguminosen,
Ölpflanzen u.a.
- Das Getreiden ist, vermutlich wegen den Erhaltungsbedingungen und
Besonderheiten der Siedlung, vorwiegend durch Spelzreste(restes de glume)
vertreten. Man kann ein Tendenz von Überwiegen der Emmerspelzen und Körner
beobachten. Die Spelzreste von Emmer haben ein ausgesprochen robustes und
mächtiges Aussehen (Fig. 1). Sogar auf ersten Blick erinnern einige an
Dinkelspelzen.
In allen untersuchten Schichten kommen vereinzelt Spindelglieder(elementes
de l´axe) von Nacktweizen (T. aestivum/durum) vor. Vermutlich sind
das Spindelglieder von Hartweizen. In den Siedlungen des Nahen Ostens findet
man sie bald nach der Anfang des Emmerkultivieren um das 7. Jahrtausend
BC (ZOHARY& HOPF 1994). Zur selben Zeit kommen sie auch in Kovacevo
und auch in den frühneolithische Schichten von Kapitan Dimitrievo (MARINOVA,
1999a) vor. Diese Tatsachen deuten daraufhin, daß vielleicht die den tetraploiden
Nacktweizen entsprechenden Hartweizen, auch zu den anatolischen Kulturpflanzenkomplex
gehörten. Das submediterrane Klima im Gebiet von Kovacevo ist günstig für
die Hartweizen, aber ob sie dort angebaut wurden oder Beimischung des Emmers
waren ist nicht klar. Bis jetzt fehlen Vorratsproben und das vorhandene
Material reicht nicht aus um daraus weitere Schlüsse zu ziehen.
- Alle vier der bis jetzt aus Neolithicum Bulgariens bekannte Leguminosen
wurden in Kovacevo gefunden (Tab. 2). In fast allen von den Proben kommt
Linse (Lens culinaris) vor. An zweiter Stelle steht die Saatplatterbse
(Lathyrus sativus). Eine Besonderheit der gefundenen in Kovacevo Lathyrus-Samen
ist, daß sie recht klein sind aber durch ihren typische Form sich gut von
der Linsenvicke (Vicia ervilia) unterscheiden lassen (Fig. 2). Das Auftreten
von diese Pflanze könnte vielleicht, die oft bei den archäobotanischen
Forschungen am Balkan gestellte Frage mehr klären - ob sie angebaut oder
nur gesammelt wurde. Die Anwesenheit von Lathyrus in den frühesten Schichten
von Kovacevo bestätigt, daß sie den ersten Bewohnern bekannt war und genutzt
wurde. Laut den bisherbekannten scheint es, daß sie zum frühneolithischen
Kulturpflanzenkomplex gehört (ZOHARY& HOPF 1994). Sie ist auch als
Vorräte oder in ziemlich große Mengen in einigen anderen frühneolithische
Siedlungen in Bulgarien gefunden, z.B. Azmak (HOPF, 1973), Slatina (DONTSCHEVA
1990), Karanovo (THANHEISER, 1997), Kapitan Dimitrievo (MARINOVA, 1999a).
Vermutlich war das auch in Kovacevo der Fall. Die meisten als der „Leguminosae
indet groß“ definierte Funde dürften Lathyrus sativus oder zum Teil Pisum
stivum sein.
Die Erbse (Pisum sativum) und die Linsenvicke (Vicia ervilia) kommen
vereinzelt vor.
Die Sammelpflanzen.
Das häufigste Sammelpflanze für der Siedlung ist die Kornelkirsche
(Cornus mas). In einigen Proben wurden sogar mit Reste von Fruchtfleisch
bedeckte Kerne gefunden.
An zweiter Stelle in den Proben aus Kovacevo steht die Haselnuß (Corylus
avellana). Es kommen auch Himbeeren (Rubus sp.), Pflaumen (Prunus
sp.) und wilde Weinrebe (Vitis vinifera ssp. sylvestris,
Tafel. 1. 4.) vor. Die Pflaumenreste wurden ausführlich in den „Rapport
annuel“ für 1998 behandelt (MARINOVA 1999b). Die Vielfalt der Pflaumenreste
ist bemerkenswert. Anhand der Merkmale der gefundenen Fragmenten kann man
mindestens 4 Arten von Pflaumen vermuten. In Tafel 2.1. ist eine mögliche
Rekonstruktion aufgrund eines Pflaumenfragments dargestellt. Sie beruht
auf dem Vergleich mit einem Fund (Tafel 2.2.) aus einer anderen neolithischen
Siedlung in Bulgarien (Samovodene). Dieser Fund sowie einige Fragmente
aus Kovacevo zeigen große Ähnlichkeit mit Prunus domestica var. insititia.
Bei dem gezeichnetem Fragment fällt auch seine raue Oberfläche auf, die
typisch für die obengenannten Art ist.
Die Wildpflanzen und Unkräuter
Mit der steigender Nutzung und Beweidung der umgebenden Vegetation
nimmt auch die Erosion zu. Auf diese Standorte kommen zahlreiche xerotherme
Florenelemente vor. Die meisten der in den Proben gefundenen Wildpflanzen
gehören zu dieser Gruppe. Sie können Trockenheit aushalten oder sind an
sie gut angepasst, indem sie eine ganz kurze (30-40 Tage) Vegetationsperiode
haben. Viele sind charakteristisch für kontinentale oder submediterrane
Bedingungen und wachsen auf Kalk oder sind kalkhold. Eine Großteil dieser
Pflanzen können auch Unkräuter sein.
Am häufigsten sind die Borstenhirsen (Setaria verticillata/viridis,
Tafel 2.3.). Unter diesem Begriff könnte man drei Arten mit ziemlich ähnlichen
ökologischen Ansprüchen verstehen. Sie haben ein breites ökologisches Spektrum,
gedeihen gut bei trockenen Bedingungen und wachsen sowohl auf Äcker als
auch an Wegrändern, Ruderallstellen usw. Es ist interessant, daß sie mit
hohe Stetigkeit in den neolithischen Siedlungen vorkommen. Ein Grund dafür
könnte ihre Nutzung sein. Besonders für Setaria vericillata und S. glauca
sind Angaben für die Nutzung als Futter oder sogar zur Gewinnug von Alkohol
bekannt (KOLEV 1963).
Häufige Unkräuter für diese Periode, die auch in Kovacevo relativ stetig
vorkommen, sind die Trespen (Bromus sp., Tafel 2.4.). Ein anderes
wahrscheinliches Unkraut für diese Zeit ist Phleum phleoides/tenue (Tafel
2.5.). Diese Pflanze wächst an steinign und trockenen Standorte und kommt
oft in den Ackerfeldern vor.
Ein interessanter Fund ist Hyosyiamus niger, eine ruderale Pflanze,
die auch psychotrope Wirkung hat.
Unter der Gruppe „Leguminosae indet. klein“ sind Samen von nicht näher
bestimmbaren wilden Leguminosen z.B. Trifolium sp., Melilotus sp. usw.
vereinigt.
Schlußfolgerungen
- Kovacevo hat, in Unterschied zu den anderen bulgarischen, prähistorischen
Siedlungen, eine ziemlich schwierige Fundsituation. Trotzdem ist vielfältiges
Material, wenn auch mit geringer Funddichte, in den Schichten vorhanden.
Ein Vergleich mit den anderen frühneolithischen Siedlungen zeigt, daß alle
wichtigen Kulturpflanzen dieser Periode auch dort vorhanden sind.
- Das Hauptgetreide scheint der Emmer zu sein. Das Überwiegen von Emmer
bedeutet, daß die Bewohner der Siedlung gute Bedingungen für Getreideanbau
dort vorgefunden haben. Wenn die Boden- und Klimabedingungen nicht so gut
sind, dann beginnt das Einkorn oder Gerste zu dominieren. Beide kommen
in den Schichten in kleineren Mengen vor.
- Die wichtigste Leguminose für der Siedlung war die Linse, gefolgt
von der Saatpaltterbse. Aber auch Erbse und Linsenvicke kommen vor.
- Die meistvertretene Sammelpflanze in Kovacevo, die Kornelkirsche,
ist auch für die anderen neolithischen Siedlungen Bulgariens sehr häufig
und typisch. Aufmerksamkeit verdienen die Pflaumenreste (Fig. 4.). Einige
von ihnen zeigen mit ihrer Mächtigkeit und Form deutliche Ähnlichkeit mit
der Zwetsche (Prunus domestica var. isititia). Aber bei solchen Fragmenten
ist auch nicht ausgeschlossen, daß es sich um der Kirschpflaume (Prunus
cerasifera) handelt.
- Es wurde ein breites Spektrum aus wilde Pflanzen und vermutliche
Unkräuter festgestellt (etwa 30 Taxa). Die meiste wachsen unter trockene
Bedingungen. Viele sind typisch für Ruderallstellen und Trittwiesen. Und
repräsentieren vielleicht der antropogenbeeinflußte Vegetation im Umfeld
der Siedlung
Literatur
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